{"id":1100,"date":"2018-04-11T10:04:55","date_gmt":"2018-04-11T09:04:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.geschiebekunde.de\/?p=1100"},"modified":"2022-12-14T15:55:32","modified_gmt":"2022-12-14T14:55:32","slug":"geschiebe-des-jahres-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geschiebekunde.de\/nl\/geschiebe-des-jahres-2016\/","title":{"rendered":"Geschiebe des Jahres 2016"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\">Garberg-Granit<\/h1>\n<h3 style=\"text-align: center;\">&nbsp;Kristallines Geschiebe des Jahres 2016<\/h3>\n<p>Text und Bild von Matthias Br\u00e4unlich (<a href=\"https:\/\/kristalline-geschiebe.de\/2016.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kristalline-geschiebe.de<\/a>&nbsp;und <a href=\"https:\/\/kristallin.de\/Schweden\/Garberg\/Garberg-Granit.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kristallin.de<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gesellschaft f\u00fcr Geschiebekunde hat anl\u00e4sslich ihres Neujahrsempfangs im Januar dieses Jahres im Geomatikum der Universit\u00e4t Hamburg den Garberg-Granit zum Geschiebe des Jahres 2016 erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff \u201eGeschiebe\u201c gibt dabei schon einen treffenden Hinweis auf die Herkunft dieser Gesteine, stammen sie doch aus skandinavischen Breiten und sind mit den Gletschern der Eiszeiten in die norddeutsche Region \u201egeschoben\u201c worden.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<blockquote><p>Bild 1. Garberg-Granit (Geschiebe aus der Kiesgrube N\u00fctzen).<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Garberg-Granit geh\u00f6rt zu den besonders auff\u00e4lligen Leitgeschieben aus&nbsp;Dalarna in Mittelschweden. Er ist benannt nach der Erhebung \u201eGarberget\u201c,&nbsp;die zwischen Mora und \u00c4lvdalen \u00f6stlich vom \u00d6sterdal\u00e4lven liegt. Das&nbsp;Anstehende um den Garberg herum ist eines von mehreren Vorkommen,&nbsp;weitere und gr\u00f6\u00dfere liegen n\u00f6rdlich und nord\u00f6stlich davon.&nbsp;Garberg-Granit ist undeformiert und zeichnet sich durch eine&nbsp;blassr\u00f6tliche bis rosa-fleischfarbene T\u00f6nung aus.&nbsp;Dazu kommt sein meist porphyrisches Gef\u00fcge, das an einen Rapakiwi-Granit&nbsp;erinnert. Garberg-Granit enth\u00e4lt r\u00f6tliche Alkalifeldspat-Einsprenglinge,&nbsp;die teilweise einen Saum aus hellem Plagioklas tragen. Im Gegensatz zu&nbsp;den Rapakiwis sind hier die Einsprenglinge aber \u00fcberwiegend&nbsp;kantig-rechteckig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Erkennungsmerkmale sind zwei Generationen von Quarz. Man findet&nbsp;gerundete und zerfressen aussehende Quarze, die mehrere Millimeter gro\u00df&nbsp;sein k\u00f6nnen (Qz1) und dazu viele winzig kleine Quarze in der Grundmasse&nbsp;(Qz2).<\/p>\nngg_shortcode_1_placeholder\n<blockquote><p>Bild 2: Gef\u00fcge des Garberg-Granits &#8211;&nbsp;Probe vom Garberg in Dalarna, Schweden.<\/p><\/blockquote>\nngg_shortcode_2_placeholder\n<blockquote><p>Bild 3: Die Oberfl\u00e4che eines typischen Garberg-Granits ohne Lupe.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kleinen Quarze sind so unscheinbar, dass sie nur mit einer 10fach&nbsp;vergr\u00f6\u00dfernden Lupe erkennbar sind. Beide Arten von Quarz m\u00fcssen&nbsp;vorhanden sein, sonst handelt es sich nicht um Garberg-Granit.&nbsp;Gelegentlich bilden die kleinen Quarze sch\u00f6ne graphische Verwachsungen&nbsp;direkt um die Alkalifeldsp\u00e4te.&nbsp;[Bild 4]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Graphische Verwachsungen (gV) sind winzig kleine Quarze, die mit dem&nbsp;Alkalifeldspat der Grundmasse kristallographisch verwachsen sind.&nbsp;Afs = Alkalifeldspat, Pl = Plagioklas. Ein Xenolith ist ein&nbsp;Fremdgesteinseinschluss.&nbsp;[Bild 4]<\/p>\nngg_shortcode_3_placeholder\n<blockquote><p>Bild 4: Die Oberfl\u00e4che eines typischen Garberg-Granits vergr\u00f6\u00dfert.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">In vielen Garberg-Graniten findet man hellgraue, gerundete Xenolithe,&nbsp;die kleine, regelm\u00e4\u00dfig verteilte dunkle Minerale enthalten.&nbsp;Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Nebengestein, das von der&nbsp;Schmelze aufgenommen wurde.&nbsp;Der Plagioklas hat im Garberg-Granit eine wei\u00dfe bis schwach gelbliche&nbsp;F\u00e4rbung, kommt aber gleichzeitig auch als stark vergr\u00fcnter Einsprengling&nbsp;vor. Dunkle Minerale sind nur in geringer Menge enthalten, das Gestein&nbsp;ist ein typischer Leukogranit.&nbsp;<\/p>\nngg_shortcode_4_placeholder\n<blockquote><p>Bild 5: Garberg-Granit als Geschiebefund.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geologischer Rahmen:<br \/>\nDie Granite aus Dalarna geh\u00f6ren zusammen mit den benachbarten Vulkaniten&nbsp;zum Transskandinavischen Magmatitg\u00fcrtel, der einen sp\u00e4ten Abschnitt der&nbsp;svekofennischen Gesteinsbildungen repr\u00e4sentiert. Das Alter des&nbsp;Garberg-Granits betr\u00e4gt etwa 1,7 Milliarden Jahre. Damit geh\u00f6rt er zu&nbsp;den j\u00fcngsten magmatischen Gesteinen dieser Periode, was sich in seinem&nbsp;undeformierten Gef\u00fcge widerspiegelt.&nbsp;Trotz seines besonderen Aussehens wird der Garberg-Granit nicht zu den&nbsp;Rapakiwis gez\u00e4hlt. Er ist kein rein anorogener Granit und es fehlen auch&nbsp;die f\u00fcr Rapakiwis typischen mafischen Begleitgesteine, gleichwohl l\u00e4sst&nbsp;seine chemische Zusammensetzung eine gewisse N\u00e4he zu Rapakiwi-Graniten&nbsp;erkennen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.kristallin.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Matthias Br\u00e4unlich<\/a><\/p>\n<p>Nachtrag zur Lokalit\u00e4t: Es gibt neben dem Garberget, der n\u00f6rd\u00f6stlich vom&nbsp;Ort &#8220;Garberg&#8221; liegt, etwas s\u00fcdwestlich einen weiteren &#8220;N Garberg&#8221;.&nbsp;Letzterer liegt jedoch im anstehenden Digerberg-Konglomerat bzw. im&nbsp;Bredvadporphyr.&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Siehe &#8220;Berggrundskarta \u00f6ver Kopparbergs l\u00e4n&#8221;, Hjelmqvist, 1964,&nbsp;n\u00f6rdliche Karte.&nbsp;<br \/>\nDie Koordinaten: Der Garberget (bei Garberg) liegt bei 61.11765,&nbsp;14.27785, w\u00e4hrend N Garberg sich bei bei 61.02421, 14.20687 befindet.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Garberg-Granit &nbsp;Kristallines Geschiebe des Jahres 2016 Text und Bild von Matthias Br\u00e4unlich (kristalline-geschiebe.de&nbsp;und kristallin.de) Die Gesellschaft f\u00fcr Geschiebekunde hat anl\u00e4sslich ihres Neujahrsempfangs im Januar dieses Jahres im Geomatikum der Universit\u00e4t Hamburg den Garberg-Granit zum Geschiebe des Jahres 2016 erkl\u00e4rt. 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