{"id":15819,"date":"2020-01-14T13:21:44","date_gmt":"2020-01-14T12:21:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.geschiebekunde.de\/?p=15819"},"modified":"2022-12-14T16:00:08","modified_gmt":"2022-12-14T15:00:08","slug":"geschiebe-des-jahres-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geschiebekunde.de\/en\/geschiebe-des-jahres-2020\/","title":{"rendered":"Geschiebe des Jahres 2020"},"content":{"rendered":"\r\n\r\n<p>Die Geschiebe des Jahres 2020 stehen fest! Auf dem Neujahrstreffen der GfG-Sektion Hamburg wurden der <strong>Paradoxissimus-Siltstein<\/strong> (<a href=\"#sedi\">sediment\u00e4re Geschiebe<\/a>) und der <strong>Ostsee-Syenitporphyr<\/strong> (<a href=\"#krist\">kristalline Geschiebe<\/a>) auserw\u00e4hlt.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><a name=\"krist\"><\/a><\/p>\r\n<h1 style=\"text-align: center;\">Ostsee-Syenitporphyr<\/h1>\r\n<h3 style=\"text-align: center;\">Kristallines Geschiebe des Jahres 2020<\/h3>\r\n<div align=\"center\">\r\n<table style=\"width: 45%; border-collapse: collapse; border-style: double;\" align=\"center\">\r\n<tbody>\r\n<tr>\r\n<td style=\"width: 100%; text-align: center;\">Text und Bilder von Matthias Br\u00e4unlich <br>(<a href=\"https:\/\/kristalline-geschiebe.de\/2020.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kristalline-geschiebe.de<\/a>&nbsp;und <a href=\"https:\/\/kristallin.de\/Ostsee\/OSYP\/OSYP.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kristallin.de<\/a>)<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ostsee-Syenitporphyre sind unauff\u00e4llige, graubraune Gesteine. Sie enthalten r\u00f6tlich-braune Alkalifeldsp\u00e4te von 1 bis 5 mm Gr\u00f6\u00dfe sowie kleine Mandeln, deren Kerne gr\u00fcnlich, schw\u00e4rzlich oder braun gef\u00e4rbt sind. Gelegentlich findet man auch kleine Achate im Inneren der Mandeln, die als Ganze meist nur wenige Millimeter klein sind. Zusammen mit den r\u00f6tlich-braunen Alkalifeldsp\u00e4ten sind die Mandeln das entscheidende Erkennungsmerkmal dieser Porphyre. Quarz fehlt oder kommt nur sehr vereinzelt vor \u2013 daher auch die Bezeichnung \u201eSyenitporphyr\u201c.<br>Die Grundmasse der Ostsee-Syenitporphyre ist oft fleckig und kann feink\u00f6rnige Gesteinsbruchst\u00fccke enthalten, was zu einem brekzienartigen Aussehen f\u00fchrt. In sehr seltenen F\u00e4llen haben Ostsee-Syenitporphyre eine auff\u00e4llig blaugr\u00fcnliche F\u00e4rbung.<br>Die Erstbeschreibung stammt von Hermann Hedstr\u00f6m (1894), der diese Gesteine als Geschiebe auf Gotland fand. Er \u00e4u\u00dferte schon damals die Vermutung, dass sie am Boden der Ostsee, n\u00f6rdlich von Gotland, anstehen. Deshalb gibt es Ostsee-Syenitporphyre ausschlie\u00dflich als Geschiebe.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Porphyre sind bisher kaum untersucht und so ist auch unbekannt, wie gro\u00df ihr Verbreitungsgebiet ist. Deshalb w\u00e4ren Meldungen \u00fcber Funde hilfreich, insbesondere von der Ostseek\u00fcste der Baltischen L\u00e4nder. Dort wird es eine n\u00f6rdliche Grenze geben, bis zu der man diese Porphyre finden kann. Ob diese Grenze in Litauen, Lettland oder sogar in Estland liegt, ist unbekannt. Sollte jemand Ostsee-Syenitporphyre in den Baltischen L\u00e4ndern finden, bittet der Autor um eine Zuschrift. Diese Bitte gilt auch f\u00fcr Funde der blaugr\u00fcnlichen Varianten, dann unabh\u00e4ngig vom Fundort.<\/p>\r\nngg_shortcode_0_placeholder\r\n<p>Weitere Abbildungen dieser Gesteine finden Sie dem\u00e4chst auf kristallin.de<br>Die Email-Adresse f\u00fcr Fundmeldungen lautet: &#111;&#115;&#x79;&#x70;&#64;&#112;&#x6f;&#x73;&#116;&#101;&#x6f;&#x2e;&#100;&#101;.<\/p>\r\n<pre>Erstbeschreibung in: <\/pre>\r\n<p>HEDSTR\u00d6M H 1894 Studier \u00f6fver bergarter fr\u00e5n mor\u00e4n vid Visby.<br>Geologiska F\u00f6reningens i Stockholm F\u00f6rhandlingar 16: 247-274, 9 Abb., Stockholm.<\/p>\r\n<hr>\r\n<p><a name=\"sedi\"><\/a><\/p>\r\n<h1 style=\"text-align: center;\"><em>Paradoxissimus<\/em>-Siltstein<\/h1>\r\n<h3 style=\"text-align: center;\">Sediment\u00e4rgeschiebe des Jahres 2020<\/h3>\r\n<div align=\"center\">\r\n<table style=\"width: 45%; border-collapse: collapse; border-style: double;\">\r\n<tbody>\r\n<tr>\r\n<td style=\"width: 100%; text-align: center;\">Text und Bilder von <br>Rene Hoffmann, Ruhr-Universit\u00e4t Bochum<br>Johannes Kalbe, Universit\u00e4t Rostock<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <em>Paradoxissimus<\/em>-Siltstein wird sehr h\u00e4ufig in D\u00e4nemark und Norddeutschland als Geschiebe gefunden (Rudolph 1994). Die Geschiebe sind oft plattig ausgebildet, wei\u00dflich bis grau oder gr\u00fcnlich je nach Glaukonitanteil. Oft zeigen sie auf Schichtfl\u00e4chen Schleifmarken und Spurenfossilien. In Lagen angereichert findet man in ihnen Trilobitenschill, seltener auch Hyolithen, Brachiopoden oder Kinneyia-Rippeln (Abb. 1).<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der mittelkambrische <em>Paradoxides<\/em>-Siltstein wird nach Weidner &amp; Nielsen (2009) biostratigraphisch in die <em>Paradoxides paradoxissimus<\/em>-Superzone gestellt. Lithostratigraphisch l\u00e4\u00dft sich diese Superzone in die Borgholm-Formation und die Alum Shale-Formation unterscheiden. Die Borgholm-Formation setzt sich aus drei Untereinheiten zusammen. Die mittlere Einheit, das \u00c4leklinta-Member, entspricht dem Umfang des Lagers des Paradoxissimus-Siltsteins (Nielsen &amp; Schovsbo 2006). Die Sedimente des \u00c4leklinta-Members sind besonders auf \u00d6land mit bis zu 70 m M\u00e4chtigkeit im S\u00fcden bei M\u00f6rbylilla ausgebildet (Martinsson 1974). Im Norden \u00d6lands bei B\u00f6da Hamn weisen die Schichten nur noch eine M\u00e4chtigkeit von etwa 1 m auf (Weidner &amp; Nielsen 2009). Der obere Abschnitt (ca. 20 cm) des \u00c4leklinta-Members kann konglomeratisch mit Phosphatresten ausgebildet sein (Hadding 1929, Buchholz &amp; J\u00e4nicke 2013). Weidner &amp; Nielsen (2009) f\u00fchren f\u00fcr diesen Teil den inoffiziellen Begriff M\u00f6rbylilla Konglomerat ein und stellen das Konglomerat an die Basis des Alum Shale Formation. Bisher sind die Trilobiten <em>Paradoxides paradoxissimus<\/em>, <em>Ellipsocephalus lejostracus<\/em> und <em>Parasolenopleura aculeata<\/em>\u2013 alle typisch f\u00fcr die <em>T. gibbus<\/em> Trilobiten-Biozone &#8211; aus diesen Geschieben beschrieben worden. Die Trilobiten sind in diesen Siltsteinen selten, k\u00f6nnen aber lagenweise (<em>P. paradoxissimus, E. lejostracus<\/em>) angereichert vorkommen. <em>P. aculeata<\/em> gilt als absolute Seltenheit und Agnostiden sind mit nur einem Cephalon von <em>Triplagnostus gibbus<\/em> und einem Pygidium von <em>Acadagnostus fallax<\/em> in diesen Ablagerungen belegt (Westerg\u00e5rd 1946, 1953).<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner petrographischen Beschreibung des Paradoxissmus-Siltsteins, der in der \u00e4lteren Literatur auch als \u201eTessini-Sandstein\u201c, <em>Paradoxides<\/em>-Silt- oder -Sandstein beschrieben wurde, gibt Hadding (1929) wichtige Erkennungsmerkmale. So ist der <em>P.<\/em>-Siltstein sehr d\u00fcnnlagig (1-2 cm m\u00e4chtig) &#8211; der Gro\u00dfteil der Lagen ist d\u00fcnner als 4 cm. Die Lagen sind z.T. schiefrig ausgebildet mit feink\u00f6rnigem (0.01-0.06 mm, Siltfraktion) Quarz. Immer ist ein geringer Karbonatanteil vorhanden. Karbonatzemente sind oft grobk\u00f6rniger als die Quarzkomponente. Durch den Glaukonitanteil (K\u00f6rner ca. 0.03-0.08 mm) ist der P.-Siltstein meist dunkelblau bis gr\u00fcn gef\u00e4rbt. Einige Schichten k\u00f6nnen aber frei von Glaukonit sein. Im gesamten Schichtverband kommt kein Phosphorit vor. Weidner &amp; Nielsen (2009) erg\u00e4nzen die Bandbreite m\u00f6glicher Auspr\u00e4gungen f\u00fcr das \u00c4leklinta-Member. Demnach kommen wei\u00dfe, graue, gelbe, gr\u00fcne und braune d\u00fcnnlagige Schiefer-, Silt- und Sandsteinlagen vor. Eine exakte stratigraphische Erfassung und lithologische Beschreibung der Schichtabfolge liegt nach diesen Autoren bis heute nicht vor. Die j\u00fcngsten Schichtpakete des \u00c4leklinta Member sind bei den Kliffs von Albrunna und zwischen \u00c4leklinta und Djupvik erschlossen (Martinsson 1965). Die h\u00e4ufig in den Sedimenten vorkommenden Spurenfossilien (Abb. 2) f\u00fchrten auch zur Bezeichnung \u201eEophyton-Sandstein\u201c \u2013 so erstmalig bei Hadding (1929). Urspr\u00fcnglich wurde der Begriff \u201eEophyton-Sandstein\u201c jedoch f\u00fcr den unterkambrischen <em>Mickwitzia<\/em>-Sandstein eingef\u00fchrt (Torell 1868). Beide Geschiebetypen sind durch die h\u00e4ufig in diesen vorkommenden Spurenfossilien und \u00e4hnliche Petrographie leicht verwechselbar (Hoffmann &amp; Rudolph 2011). So ist das Spurenfossil <em>Dimorphichnus<\/em> bisher nur aus den Ablagerungen des mittelkambrischen \u00c4leklinta-Member beschrieben (Abb. 3) und fehlt im unterkambrischen karbonatfreien <em>Mickwitzia<\/em>-Sandstein. Als Ablagerungsmilieu gibt Hadding (1929) ruhiges Wasser des offen marinen Bereiches an.<\/p>\r\nngg_shortcode_1_placeholder\r\n<pre>Literatur<\/pre>\r\n<p>Buchholz, A. &amp; J\u00e4nicke, K.-D. 2013. Spuren m\u00f6glicher biogene und anderer sediment\u00e4rer Strukturen in einem Geschiebe des Paradoxissimus-Konglomerates von R\u00fcgen \/ Vorpommern. Der Geschiebesammler. 46(4): 125-131. 5 Abbildungen.<br><br>Hadding, A. 1929. The pre-Quarternary Sedimentary Rocks of Sweden. III. The Paleozoic and Mesozoic Sandstones of Sweden. Lunds Universitets Arsskrift, N.F., Avd. 2, 25(3): 1-287, 138 Abbildungen.<br><br>Hoffmann, R. &amp; Rudolph, F. 2011. Zur Altersstellung des h\u00e4ufig im Geschiebe gefundenen \u201eEophyton-Sandsteins\u201c. Der Geschiebesammler 44(1): 25-38, 11 Abbildungen.<br><br>Martinsson, A. 1965. Aspects of a Middle Cambrian Thanatotope on \u00d6land. Geol. Foren. Forhandl. 85: 181-230, 35 Abbildungen.<br><br>Martinsson, A. 1974.The Cambrian of Norden. In: Holland, H.C. (ed.) Lower Palaeozoic Rocks of the World. Volume 2. Cambrian of the British Isles, Norden, and Spitsbergen, 185-283. John Wiley &amp; Sons.<br><br>Nielsen, A.T. &amp; Schovsbo, N.H. 2006. Cambrian to basal Ordovician lithostratigraphy in southern Scandinavia. Bulletin oft he Geological Society of Denmark 53: 47-92.<br><br>Rudolph, F. 1994. Die Trilobiten der mittelkambrischen Geschiebe. 309 Seiten, Verlag Frank Rudolph, Wankendorf.<br><br>Torell, O. 1868. Bidrag till Sparagmitetagens geognosi och paleontologi. Acta Universitatis Lundensis, Lunds Universitets Arsskrift 4(13): 1-40, 3 Tafeln.<br><br>Weidner, T.&amp; Nielsen, A.T. 2009. The Middle Cambrian Paradoxides paradoxissimus Superzone on \u00d6land, Sweden. GFF 131(3): 253-268, 17 Abbildungen, 1 Tabelle.<br><br>Westerg\u00e5rd, A.H. 1946. Agnostidea of the Middle Cambrian of Sweden. Sveriges Geologiska Unders\u00f6kning C 477: 1-140.<br><br>Westerg\u00e5rd, A.H. 1953. Non-agnostidean trilobites of the Middle Cambrian of Sweden. III. Sveriges Geologiska Unders\u00f6kning C 526: 1-58.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschiebe des Jahres 2020 stehen fest! 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