{"id":15275,"date":"2019-01-18T12:35:39","date_gmt":"2019-01-18T11:35:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.geschiebekunde.de\/?p=15275"},"modified":"2022-12-14T15:58:58","modified_gmt":"2022-12-14T14:58:58","slug":"geschiebe-des-jahres-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geschiebekunde.de\/en\/geschiebe-des-jahres-2019\/","title":{"rendered":"Geschiebe des Jahres 2019"},"content":{"rendered":"<p>Die Geschiebe des Jahres 2019 stehen fest!<br \/>\nAuf dem Neujahrstreffen der GfG-Sektion Hamburg wurden der <strong>Faxekalk<\/strong> (sediment\u00e4re Geschiebe) und der&nbsp;<strong>\u00c5land-Granitporphyr<\/strong> (kristalline Geschiebe) auserw\u00e4hlt.<u><\/u><\/p>\n<h3>Faxekalk &#8211;&nbsp;sediment\u00e4res Geschiebe des Jahres 2019<\/h3>\n<p>Text und Bild von Dr. Frank Rudolph<\/p>\n<p>Der Faxe-Kalk, klassisch aufgeschlossen im Faxe-Kalkbrud im \u00f6stlichen D\u00e4nemark auf der Insel Seeland, ist ein wei\u00dfer bis hellgrauer dichter Kalkstein, der durch eine reichhaltige Fauna, bestimmt wird. Auff\u00e4llig ist er durch die in ihm enthaltenen koloniebildenden und solit\u00e4ren Korallen. Sie weisen den Faxe-Kalk als einen Riff-Kalk aus, der in 100 &#8211; 200 m tiefem, kalten Wasser entstanden ist. Heute kennt man derartige Korallenriffe von der K\u00fcsten Norwegens und Islands.<br \/>\nIm Geschiebe ist der Faxe-Kalk wei\u00df und dicht; er besitzt h\u00e4ufig eine gelbliche Verwitterungsrinde. Nur in einigen Gebieten ist er h\u00e4ufig anzutreffen. Die Besonderheit sind die fast ausschlie\u00dflich in Steinkern erhaltenen Fossilien. Die wesentlich st\u00e4rker verfestigte feinkristalline, kalzitische Matrix war gegen L\u00f6sungen resistenter als die in ihm enthaltenen Fossilien.<br \/>\nMan kennt mehr als 500 Fossil-Arten aus dem Faxe-Kalk: Bryozoen, Korallen, Muscheln, Schnecken, Nautiliden, Brachiopoden, Wurmr\u00f6hren, Krebse, Seeigel, Seeililienstielglieder, Haiz\u00e4hne und Krokodilz\u00e4hne.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<h3>\u00c5land-Granitporphyr (Ringquarzporphyr) &#8211; kristallines Geschiebe des Jahres 2019<\/h3>\n<p>Text und Bild von Matthias Br\u00e4unlich (<a href=\"https:\/\/kristalline-geschiebe.de\/2019.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kristalline-geschiebe.de<\/a>&nbsp;und <a href=\"https:\/\/kristallin.de\/Finnland\/Aland-Granitporphyre\/Aland-Granitporphyre.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kristallin.de<\/a>)<\/p>\n<p>Ringquarzporphyre sind Gesteine aus dem Granitmassiv von \u00c5land im S\u00fcdwesten Finnlands. Sie sind Teil der dortigen Granitporphyre und enthalten als besonderes Kennzeichen runde, mehrere Millimeter gro\u00dfe, schwarz ges\u00e4umte Quarze. Diese Auff\u00e4lligkeit kommt sonst nirgendwo in Skandinavien vor und macht das Gestein zum Leitgeschiebe von \u00c5land und der westlich davon gelegenen See (\u201eSignilsk\u00e4rsfj\u00e4rden\u201c).<\/p>\n<p>Ringquarzporphyre bestehen, wie jeder Granitporphyr, aus einer k\u00f6rnigen Grundmasse mit Einsprenglingen von Feldspat und Quarz. Die Feldsp\u00e4te sind mehrere Millimeter bis maximal 2 cm gro\u00df, teils rundlich, teils unregelm\u00e4\u00dfig geformt und machen bei diesen Porphyren nur einen auff\u00e4llig kleinen Teil des Gesteins aus. Daher k\u00f6nnen die Feldspateinsprenglinge in kleinen Geschieben durchaus fehlen, sodass diese nur aus Grundmasse mit den Quarzen darin bestehen. Das Erkennen der Gesteine wird davon nicht beeintr\u00e4chtigt, so lange die schwarz ges\u00e4umten rundlichen Quarze enthalten sind. <code>Bild 1<\/code> zeigt einen typischen Ringquarzporphyr.<\/p>\n<p>Neben den schwarz beringten Quarzen findet man direkt benachbart auch immer solche ohne Saum. Es gen\u00fcgt zur Bestimmung dieser Gesteine, dass ein Teil der Quarze den schwarzen Saum tr\u00e4gt und diese in einer r\u00f6tlich-braunen, braunen oder auch beige-braunen Matrix stecken. Au\u00dferdem m\u00fcssen in der Grundmasse zus\u00e4tzlich noch kleine Quarze enthalten sein. Um die nur wenige Zehntel Millimeter kleinen Quarze zu erkennen, bedarf es zwingend einer guten Lupe. Mit ihrer Hilfe ist dann auch erkennbar, dass diese kleinen Quarze ausgedehnte graphische Verwachsungen mit dem r\u00f6tlichen Feldspat bilden <code>(Bild 2)<\/code>.<\/p>\n<p>Die graphischen Verwachsungen sind zwar h\u00e4ufig, aber nicht zwingend. In einigen der Ringquarzporphyre sind die kleinen Quarze in der Grundmasse einfach nur regellos verteilte K\u00f6rner. So lange zwei Generationen Quarze erkennbar sind und ein Teil der gro\u00dfen Quarze den schwarzen Saum aufweist, handelt es sich immer um Ringquarzporphyr.<\/p>\n<p>Als Teil des Rapakiwiplutons von \u00c5land entstanden diese Porphyre vor 1520 &#8211; 1590 Ma.[1] Dabei spielte die Anwesenheit eines zweiten, mafisch zusammengesetzten Magmas eine entscheidende Rolle. Dieser, als \u201ebimodal\u201c bezeichnete Magmatismus, hat in den Granitporphyren seine Spuren hinterlassen und ist direkt f\u00fcr die Entstehung der schwarzen S\u00e4ume verantwortlich. Das schwarze Mineral ist Amphibol, der als Folge der Vermischung mit dem mafischen Magma bei der Reaktion von Pyroxen mit Quarz entstand.<br \/>\nEin weiterer Hinweis auf diese zweite Schmelze findet man hin und wieder in Gestalt feink\u00f6rniger schwarzer Xenolithe siehe <code>Bild 3<\/code>. Sie sind aber zu selten, um regelm\u00e4\u00dfig gefunden zu werden.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem gibt es in diesen Porphyren immer wieder einzelne, meist gr\u00fcnlich gef\u00e4rbte Plagioklase, die ebenfalls aus der mafischen Schmelze oder einem plagioklasdominierten Gestein wie z. B. Anorthosit stammen, das beim Aufstieg vom Granitmagma aufgenommen wurde. Die Reste davon sind die in den Ringquarzporphyren steckenden gr\u00fcnlichen, oft mehrere Zentimeter gro\u00dfen Plagioklase <code>(Bild 4)<\/code>. Sie sind h\u00e4ufiger als die schwarzen Xenolithe zu finden.<\/p>\n<p>Beide Beimengungen, Xenolithe oder Plagioklase, m\u00fcssen nicht enthalten sein, um ein Gestein als Ringquarzporphyr zu bestimmen. Sie illustrieren, sofern vorhanden, den Prozess, der zur Bildung dieses besonderen Granitporphyrs f\u00fchrte.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_1_placeholder<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n[1]&nbsp; Angaben: gtkdata.gtk.fi\/maankamera (abgerufen am 1. M\u00e4rz 2019)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschiebe des Jahres 2019 stehen fest! Auf dem Neujahrstreffen der GfG-Sektion Hamburg wurden der Faxekalk (sediment\u00e4re Geschiebe) und der&nbsp;\u00c5land-Granitporphyr (kristalline Geschiebe) auserw\u00e4hlt. 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