{"id":1397,"date":"2018-04-11T10:38:20","date_gmt":"2018-04-11T09:38:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.geschiebekunde.de\/?p=1397"},"modified":"2022-12-14T15:57:43","modified_gmt":"2022-12-14T14:57:43","slug":"geschiebe-des-jahres-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geschiebekunde.de\/en\/geschiebe-des-jahres-2018\/","title":{"rendered":"Geschiebe des Jahres 2018"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\">Roter Ostsee-Quarzporphyr<\/h1>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Kristallines Geschiebe des Jahres 2018<\/h3>\n<p>Text und Bilder von Matthias Br\u00e4unlich (<a href=\"https:\/\/kristalline-geschiebe.de\/2018.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kristalline-geschiebe.de<\/a>&nbsp;und <a href=\"https:\/\/kristallin.de\/Ostsee\/Roter_Ostsee-Quarzporphyr\/ROQP.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kristallin.de<\/a>)&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gesellschaft f\u00fcr Geschiebekunde hat anl\u00e4sslich ihres Neujahrsempfangs im Januar dieses Jahres im Geomatikum der Universit\u00e4t Hamburg den P\u00e5skallavik-Porphyr zum Geschiebe des Jahres 2018 erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff \u201eGeschiebe\u201c gibt dabei schon einen treffenden Hinweis auf die Herkunft dieser Gesteine, stammen sie doch aus skandinavischen Breiten und sind mit den Gletschern der Eiszeiten in die norddeutsche Region \u201egeschoben\u201c worden.<\/p>\n<p>Dieser Porphyr geh\u00f6rt zu den gut erkennbaren und verl\u00e4sslichen Leitgeschieben aus der n\u00f6rdlichen Ostsee. Er steht f\u00fcr eine \u201ebaltische\u201c&nbsp;Geschiebegemeinschaft, denn sein Herkunftsgebiet liegt in der Ostsee&nbsp;zwischen \u00c5land und Hiiumaa\/Saaremaa. Dieses Gestein gibt es nur als&nbsp;Geschiebe, wobei die meisten St\u00fccke kleiner als 15 cm im Durchmesser&nbsp;sind &#8211; typisch f\u00fcr Vulkanite.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<blockquote><p>Bild 1: Roter Ostsee-Quarzporphyr, trocken fotografiert. Rechts der Einschluss eines Fremdgesteins (Xenolith).<\/p><\/blockquote>\n<p>*Kennzeichen: *<br \/>\nDer Rote Ostsee-Quarzporphyr f\u00e4llt bereits durch seine intensive, meist&nbsp;ziegelrote Farbe auf. Ohne Lupe wirkt das Gestein homogen und Details&nbsp;sind kaum erkennbar, wenn man von den fast immer enthaltenen dunklen und&nbsp;feink\u00f6rnigen Xenolithen absieht. Sie geh\u00f6ren zu den charakteristischen&nbsp;Merkmalen dieses Porphyrs und sind zwischen wenigen Millimetern und&nbsp;etlichen Zentimetern gro\u00df. Diese unregelm\u00e4\u00dfig geformten Einschl\u00fcsse&nbsp;werden als basaltische Bruchst\u00fccke interpretiert, die von der&nbsp;aufsteigenden Schmelze mitgerissen wurden.&nbsp;<\/p>\nngg_shortcode_1_placeholder\n<blockquote><p>Bild 2: Roter Ostsee-Quarzporphyr, nass fotografiert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit der Lupe erkennt man m\u00e4\u00dfig viele, ziegelrote Feldspateinsprenglinge, die meist um 1 mm gro\u00df sind. Sie sind kantig bis unregelm\u00e4\u00dfig geformt,&nbsp;nicht rundlich und stecken in einer feink\u00f6rnigen bis dichten,&nbsp;ziegelroten oder r\u00f6tlichbraunen Grundmasse. Makroskopisch erkennbarer&nbsp;Plagioklas fehlt praktisch immer.&nbsp;Neben den Alkalifeldsp\u00e4ten gibt es regellos verteilte rauchbraune bis<br \/>\ntransparente, zuweilen glasklare Quarze mit einer Gr\u00f6\u00dfe von 1 bis&nbsp;maximal 2 mm. Einige dieser Quarze sind zerbrochen, viele zeigen kantige&nbsp;Umrisse und fast alle sind durch magmatische Korrosion gezeichnet. Die&nbsp;ist erkennbar an schlauchf\u00f6rmigen Einbuchtungen und L\u00f6chern, die mit&nbsp;roter Grundmasse gef\u00fcllt sind. Diese L\u00f6cher sind das Resultat der&nbsp;Aufschmelzung bereits gebildeter Quarzkristalle.<\/p>\nngg_shortcode_2_placeholder\n<blockquote><p>Bild 3: Bruchfl\u00e4che eines Roten Ostsee-Quarzporphyrs mit ziegelroten Alkalifeldsp\u00e4ten und den typischen Quarzen. Ein besonders sch\u00f6ner befindet sich rechts von der Mitte. Die Spuren der magmatischen Korrosion &#8211; mit roter Grundmasse gef\u00fcllte L\u00f6cher &#8211; sind gut erkennbar.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieser Korrosion folgte bei vielen Quarzen ein erneutes Wachstum, das zu&nbsp;regelm\u00e4\u00dfigen Umrissen oder zur teilweisen Neubildung \u00e4u\u00dferer Kanten&nbsp;f\u00fchrte. Dabei blieben die Korrosionsspuren in den Quarzen erhalten und&nbsp;wurden nur zum Teil \u00fcberwachsen. Es gibt nach aktuellem Stand kein&nbsp;weiteres Gestein, in dem man so viele kantige Quarze mit&nbsp;Korrosionsspuren im Inneren findet.<br \/>\nManche der Roten Ostsee-Quarzporphyre sind Ignimbrite mit hellbraunen&nbsp;Fiamme. Diese \u201eSchlieren\u201c werden als ehemals weiche Lavafetzen&nbsp;interpretiert, die in den pyroklastischen Str\u00f6men explosiver&nbsp;Vulkanausbr\u00fcche abgelagert wurden. Die Fiamme sind immer kurz,&nbsp;unregelm\u00e4\u00dfig geformt bzw. gewellt und schmiegen sich an Kristalle oder&nbsp;Xenolithe an. Nur wenn so ein eutaxitisches Gef\u00fcge gut entwickelt ist,&nbsp;kann man von einem Ignimbrit reden. Schlieren in der Grundmasse allein&nbsp;gen\u00fcgen nicht. Das folgende Bild zeigt ein Beispiel.<\/p>\nngg_shortcode_3_placeholder\n<blockquote><p>Bild 4: Roter Ostsee-Quarzporphyr als Ignimbrit (polierter Schnitt). Neben den l\u00e4nglichen, braunfleckigen Fiammen fallen auch hier wieder die kantigen Quarze auf.<\/p><\/blockquote>\n<p>Neben den ziegelroten Ostsee-Quarzporphyren gibt es auch eine etwas&nbsp;seltenere braune Variante. Diese br\u00e4unlichen Roten Ostsee-Quarzporphyre&nbsp;enthalten die gleichen Quarze wie der ziegelrote Porphyr, jedoch&nbsp;weniger. Die braune Variante hat den gleichen Farbton wie die Fiamme in&nbsp;den Ignimbriten.&nbsp;Die Zuordnung dieser Geschiebe zum Roten Ostsee-Quarzporphyr leite ich&nbsp;aus ihrem gemeinsamen Vorkommen mit den roten Formen im Westen von&nbsp;Saaremaa (Estland) ab. Die Geschiebe der Roten Ostsee-Quarzporphyre&nbsp;haben dort den geringstm\u00f6glichen Abstand zum Anstehenden und bilden einen gut erkennbaren Streuf\u00e4cher, der die Insel Saaremaa im Westen&nbsp;\u00fcberstreicht. Im Osten von Saaremaa habe ich keine Roten&nbsp;Ostsee-Quarzporphyre gefunden.<\/p>\n<p>*Genese: *<br \/>\nDer Rote Ostsee-Quarzporphyr stammt mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit aus&nbsp;dem Nordbaltischen Pluton und geh\u00f6rt zu den Rapakiwis, die mit den&nbsp;westfinnischen Intrusionen von Nystad, \u00c5land, K\u00f6karsfj\u00e4rden u. a. eine&nbsp;Gruppe bilden, deren Alter mit 1,59 bis 1,54 Ga angegeben wird.[1].&nbsp;Dass die Roten Ostsee-Quarzporphyre aus einem Rapakiwipluton stammen,&nbsp;zeigt sich an vielen Details. Neben der Korrosion der Quarze passen auch&nbsp;die mafischen Xenolithe zum typischen bimodalen Magmatismus. Au\u00dferdem&nbsp;wurden auch andere Quarzporphyre, grobk\u00f6rnige Dolerite und ein Granophyr&nbsp;als Einschluss [2] in Roten Ostsee-Quarzporphyren gefunden. Vor allem&nbsp;der Granophyr als typisches Rapakiwigef\u00fcge st\u00fctzt die vermutete Herkunft&nbsp;aus einem Rapakiwipluton.&nbsp;<\/p>\n<p>*Bestimmung: *<br \/>\nUm ein Geschiebe als Roten Ostsee-Quarzporphyr zu bestimmen, m\u00fcssen die&nbsp;ziegelroten Alkalifeldsp\u00e4te und die beschriebenen Quarze in der&nbsp;feink\u00f6rnigen bis dichten Grundmasse vorhanden sein. Meist kommen noch&nbsp;die unregelm\u00e4\u00dfig geformten, grauen bis gr\u00fcnschwarzen Xenolithe dazu.&nbsp;Sollten diese fehlen, m\u00fcssen die Quarze wie oben skizziert aussehen und&nbsp;die Alkalifeldsp\u00e4te rot, \u00fcberwiegend kantig und nur in m\u00e4\u00dfiger Menge enthalten sein. Rote Vulkanite mit durchgehend rundlichen Quarzen sind keine Roten&nbsp;Ostsee-Quarzporphyre, auch wenn die Quarze Korrosionsspuren zeigen.&nbsp;Ebenso sind rundliche Alkalifeldsp\u00e4te ein Hinweis auf ein anderes&nbsp;Herkunftsgebiet.<\/p>\n<p>*\u00c4hnliche Gesteine:*<br \/>\nSofern die basaltischen Xenolithe und die beschriebenen Quarze enthalten&nbsp;sind, gibt es keine bekannten Doppelg\u00e4nger.&nbsp;<br \/>\nEin \u00e4hnlicher Porphyr, jedoch ohne Quarze, kommt aus Dalarna&nbsp;(Bredvad-Porphyr). Porphyre aus anderen Rapakiwigebieten enthalten nach&nbsp;heutigen Wissen rundliche Quarze. Auch sind in diesen Gesteinen die&nbsp;Alkalifeldsp\u00e4te gr\u00f6\u00dfer als im Roten Ostsee-Quarzporphyr und \u00fcberwiegend&nbsp;gerundet, was f\u00fcr die Roten Ostsee-Quarzporphyre untypisch ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kristallin.de\">Matthias Br\u00e4unlich<\/a><\/p>\n<p>*Literatur*<br \/>\n[1] Lehtinen, M., Nurmi, P.A. &amp; R\u00e4m\u00f6, O.T. Hrsg. (2005) Precambrian geology of Finland. Key to the evolution of the Fennoscandian Shield &#8211;&nbsp;Developments in Precambrian Geology 14: XIV + 736 S., Abb., Ktn.,&nbsp;Amsterdam (Elsevier). Karte auf Seite 554.<\/p>\n<p>[2] Geschiebe aus der Sammlung Georg Engelhardt, Potsdam. Fundort&nbsp;Kiesgrube Fresdorfer Heide bei Saarmund, ca. 10 km s\u00fcdlich von Potsdam.&nbsp;Foto ab Januar 2018 auf <a href=\"https:\/\/kristallin.de\/Ostsee\/Roter_Ostsee-Quarzporphyr\/ROQP.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kristallin.de<\/a><\/p>\n<p>Milthers, V. (1906) Woher stammen die sogenannten \u201eR\u00f6d\u00f6\u201d-Quarzporphyrgeschiebe im baltischen Diluvium? -Meddelelser fra&nbsp;Dansk Geologisk Forening 2 (1905) 113-118, K\u00f8benhavn<\/p>\n<p>Smed, P. &amp; Ehlers, J. (2002)&nbsp;Steine aus dem Norden; Geschiebe als Zeugen der Eiszeit in&nbsp;Norddeutschland 2. verbesserte Aufl. Berlin\/Stuttgart (Borntraeger)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roter Ostsee-Quarzporphyr Kristallines Geschiebe des Jahres 2018 Text und Bilder von Matthias Br\u00e4unlich (kristalline-geschiebe.de&nbsp;und kristallin.de)&nbsp; Die Gesellschaft f\u00fcr Geschiebekunde hat anl\u00e4sslich ihres Neujahrsempfangs im Januar dieses Jahres im Geomatikum der Universit\u00e4t Hamburg den P\u00e5skallavik-Porphyr zum Geschiebe des Jahres 2018 erkl\u00e4rt. 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