Påskallavik-Porphyr

Kristallines Geschiebe des Jahres 2017

Text und Bilder 1-3 von Matthias Bräunlich (kristalline-geschiebe.de und kristallin.de) Bild 4 von Marc Torbohm

Die Gesellschaft für Geschiebekunde hat anlässlich ihres Neujahrsempfangs im Januar dieses Jahres im Geomatikum der Universität Hamburg den Påskallavik-Porphyr zum Geschiebe des Jahres 2017 erklärt.

Der Begriff „Geschiebe“ gibt dabei schon einen treffenden Hinweis auf die Herkunft dieser Gesteine, stammen sie doch aus skandinavischen Breiten und sind mit den Gletschern der Eiszeiten in die norddeutsche Region „geschoben“ worden.

Die Påskallavik-Porphyre bilden eine Gruppe von Gängen im östlichen Småland in Südschweden und gehören genetisch zu den Granitplutonen des Transskandinavischen Magmatitgürtels. Diese Porphyre haben ein Alter von etwa 1,8 Milliarden Jahren. (1) Påskallavik-Porphyre zeigen unterschiedliche Gefüge. In der Geschiebekunde werden aber nur die Varianten als Påskallavik-Porphyr
bezeichnet, die viele gerundete Feldspäte von etwa 0,5 bis 1 cm Durchmesser enthalten und von einer braunen bis dunkelbraunen, feinkörnigen Grundmasse umgeben sind. Die rundlichen Einsprenglinge bestehen aus Alkalifeldspat, der meist hell fleischfarben bis beige gefärbt ist. Oft enthält er kleine Flecken von dunklen Mineralen, die makroskopisch nicht bestimmbar sind. Hin und wieder sind die Feldspateinsprenglinge außen von einem dünnen hellen Saum umgeben. Manche der Kristalle sind zerbrochen. 

Bild 1: Schnitt durch ein Geschiebe von Påskallavik-Porphyr. Die hellen, gerundeten Einsprenglinge sind Feldspäte, die überwiegend einen hellen Saum tragen. Ganz rechts ist ein zerbrochener Kristall angeschnitten.

 

Bild 2: Anstehendprobe aus Värlebo in Smaland, polierter Schnitt.

Die hier blauen Quarze können in diesen Porphyren auch grauweiß sein. Manchmal fehlen sie fast völlig. Diese Probe wurde im Museum in Nimwegen (Niederlande) fotografiert. Xander de Jong legit. Die Alkalifeldspäte enthalten regelmäßig perthitische Entmischungen und gelegentlich auch grünliche Verfärbungen, die auf eingeschlossene und nachträglich alterierte Plagioklase deuten.
Gelegentlich zeigen Påskallavik-Porphyre eine insgesamt rötliche Färbung, welche dann Grundmasse und Einsprenglinge gleichermaßen umfasst.  Quarz ist oft als Einsprengling vorhanden, kann aber auch fehlen. Die Quarze sind hellgrau bis kräftig blau und ebenso wie die Alkalifeldspäte immer kantengerundet. Plagioklas kommt als eigenständiges und makroskopisch erkennbares Mineral nicht oder nur sehr selten vor.  Die Påskallavik-Porphyre gehören zu den besonders auffälligen Leitgeschieben, die auch für wenig geübte Sammler leicht zu erkennen sind. Sie werden als Geschiebe regelmäßig gefunden und belegen einen Eistransport aus dem östlichen Südschweden zu uns. Der Porphyr wurde nach der gleichnamigen Ortschaft an der südschwedischen Ostküste, unweit von Oskarshamn, benannt. „Påskallavik-Porphyr“ steht nicht für ein singuläres Vorkommen, sondern ist die Gruppenbezeichnung für Mitglieder eines weiträumigen Gangschwarms. 

Bild 3: Rötliche Form des Påskallavik-Porphyrs, anstehend 1 km westlich von Påskallavik. Naturmuseum Nimwegen. Xander de Jong legit.

Zu beachten ist, dass die Påskallavik-Porphyre in der Geschiebekunde allein über ihr Aussehen definiert werden. Andere Gänge, die in Småland direkt benachbart anstehen und auch genetisch zu dieser Gruppe gehören, enthalten keine runden Feldspäte und werden deshalb in der Geschiebekunde nicht beachtet. Das folgende Stück ist ein Beispiel dafür: 

Bild 4: Dieser Påskallavik-Porphyr wäre als Geschiebe nicht als solcher erkennbar, denn er entspricht nicht dem Gefügebild der Leitgeschiebe. Die Probe stammt aus dem nördlich von Påskallavik angeschnittenen Gang an der Hauptstraße (Abzweig zum Steinmetzmuseum). Probe und Foto von Marc Torbohm.

Matthias Bräunlich

*Literatur:*

(1) Lindström, M.; Lundqvist, J. & Lundqvist, Th. (2000) Sveriges geologie från urtid till nutid (S. 138). Studentlitteratur, Lund, 2000

Smed, P. & Ehlers, J. (2002) Steine aus dem Norden; Geschiebe als Zeugen der Eiszeit in Norddeutschland 2. verbesserte Aufl. Berlin/Stuttgart (Borntraeger)