Garberg-Granit

 Kristallines Geschiebe des Jahres 2016

Text und Bild von Matthias Bräunlich (kristalline-geschiebe.de und kristallin.de)

Die Gesellschaft für Geschiebekunde hat anlässlich ihres Neujahrsempfangs im Januar dieses Jahres im Geomatikum der Universität Hamburg den Garberg-Granit zum Geschiebe des Jahres 2016 erklärt.

Der Begriff „Geschiebe“ gibt dabei schon einen treffenden Hinweis auf die Herkunft dieser Gesteine, stammen sie doch aus skandinavischen Breiten und sind mit den Gletschern der Eiszeiten in die norddeutsche Region „geschoben“ worden.

Bild 1. Garberg-Granit (Geschiebe aus der Kiesgrube Nützen).

Garberg-Granit gehört zu den besonders auffälligen Leitgeschieben aus Dalarna in Mittelschweden. Er ist benannt nach der Erhebung „Garberget“, die zwischen Mora und Älvdalen östlich vom Österdalälven liegt. Das Anstehende um den Garberg herum ist eines von mehreren Vorkommen, weitere und größere liegen nördlich und nordöstlich davon. Garberg-Granit ist undeformiert und zeichnet sich durch eine blassrötliche bis rosa-fleischfarbene Tönung aus. Dazu kommt sein meist porphyrisches Gefüge, das an einen Rapakiwi-Granit erinnert. Garberg-Granit enthält rötliche Alkalifeldspat-Einsprenglinge, die teilweise einen Saum aus hellem Plagioklas tragen. Im Gegensatz zu den Rapakiwis sind hier die Einsprenglinge aber überwiegend kantig-rechteckig.

Weitere Erkennungsmerkmale sind zwei Generationen von Quarz. Man findet gerundete und zerfressen aussehende Quarze, die mehrere Millimeter groß sein können (Qz1) und dazu viele winzig kleine Quarze in der Grundmasse (Qz2).

Bild 2: Gefüge des Garberg-Granits – Probe vom Garberg in Dalarna, Schweden.

Bild 3: Die Oberfläche eines typischen Garberg-Granits ohne Lupe.

Die kleinen Quarze sind so unscheinbar, dass sie nur mit einer 10fach vergrößernden Lupe erkennbar sind. Beide Arten von Quarz müssen vorhanden sein, sonst handelt es sich nicht um Garberg-Granit. Gelegentlich bilden die kleinen Quarze schöne graphische Verwachsungen direkt um die Alkalifeldspäte. [Bild 4]

Graphische Verwachsungen (gV) sind winzig kleine Quarze, die mit dem Alkalifeldspat der Grundmasse kristallographisch verwachsen sind. Afs = Alkalifeldspat, Pl = Plagioklas. Ein Xenolith ist ein Fremdgesteinseinschluss. [Bild 4]

Bild 4: Die Oberfläche eines typischen Garberg-Granits vergrößert.

In vielen Garberg-Graniten findet man hellgraue, gerundete Xenolithe, die kleine, regelmäßig verteilte dunkle Minerale enthalten. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Nebengestein, das von der Schmelze aufgenommen wurde. Der Plagioklas hat im Garberg-Granit eine weiße bis schwach gelbliche Färbung, kommt aber gleichzeitig auch als stark vergrünter Einsprengling vor. Dunkle Minerale sind nur in geringer Menge enthalten, das Gestein ist ein typischer Leukogranit. 

Bild 5: Garberg-Granit als Geschiebefund.

Geologischer Rahmen:
Die Granite aus Dalarna gehören zusammen mit den benachbarten Vulkaniten zum Transskandinavischen Magmatitgürtel, der einen späten Abschnitt der svekofennischen Gesteinsbildungen repräsentiert. Das Alter des Garberg-Granits beträgt etwa 1,7 Milliarden Jahre. Damit gehört er zu den jüngsten magmatischen Gesteinen dieser Periode, was sich in seinem undeformierten Gefüge widerspiegelt. Trotz seines besonderen Aussehens wird der Garberg-Granit nicht zu den Rapakiwis gezählt. Er ist kein rein anorogener Granit und es fehlen auch die für Rapakiwis typischen mafischen Begleitgesteine, gleichwohl lässt seine chemische Zusammensetzung eine gewisse Nähe zu Rapakiwi-Graniten erkennen.

Matthias Bräunlich

Nachtrag zur Lokalität: Es gibt neben dem Garberget, der nördöstlich vom Ort „Garberg“ liegt, etwas südwestlich einen weiteren „N Garberg“. Letzterer liegt jedoch im anstehenden Digerberg-Konglomerat bzw. im Bredvadporphyr. 

Siehe „Berggrundskarta över Kopparbergs län“, Hjelmqvist, 1964, nördliche Karte. 
Die Koordinaten: Der Garberget (bei Garberg) liegt bei 61.11765, 14.27785, während N Garberg sich bei bei 61.02421, 14.20687 befindet.